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Kritisierte Publikation: [kurz verlinkt]
RJ, 10. April 2010, 14:16 Uhr, 1 Kommentar
Artikel für Anzeige
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt der Autor Hans-Henning Kappel eine 14-tägliche Artikelreihe zum Thema “Qualifikation & Erfolg”. Bisher hatte er die Themen dafür selbst ausgewählt. Diesmal wünschte ein Redakteur der FAZ allerdings einen bestimmten Artikel zum Thema “Ausbildung in Kommunikations- und Medienberufen”.
Da Kappel mit diesem Bereich nicht sonderlich vertraut war, wandte er sich mit der Bitte um Hilfe an die FAZ. Diese schickte ihm Pressetexte der PR-Akademie Rhein-Main, die er in großen Teilen übernahm, ohne die Quelle zu nennen.
Das alles erklärt Hans-Henning Kappel in einer E-Mail gegenüber Sascha Stoltenow. Ihm war dieser “Artikel” in der FAZ aufgefallen. Auf die Frage, warum Kappel den PR-Text einfach abschreibt und die Quelle nicht nennt, bekommt Stoltenow aber keine Antwort. Ebenso bleibt die Frage offen, ob es sich bei diesem normalen redaktionellen Artikel in der FAZ nicht tatsächlich um bezahlte Werbung handelt.
Soltenow spekuliert, dass es sich bei dieser FAZ-Veröffentlichung um ein Koppelgeschäft der Anzeigenakquise und der Redaktion handelt.
(via PR-Journal, 11. Mai 2009, mit PDF-Dateien des FAZ-Artikels und der Kommunikation zwischen Sascha Stoltenow und Hans-Henning Kappel)
Kritisierte Publikation: FAZ
RJ, 12. May 2009, 23:14 Uhr, 1 Kommentar
Strukturproblem Meinungsfreiheit
Die Deutsche Welle habe ein manifestes Strukturproblem, das sich in einer ideologisch penetranten, KP-nahen China-Berichterstattung des Senders äußere, beklagen Mario Vargas Llosa, Imre Kertesz, Edgar Hilsenrath und weitere Unterzeichner des Autorenkreises der Bundesrepublik (Homepage) in einem offenen Brief an den Bundestag (Perlentaucher, 23.09.2008) Diese Behauptung belegen sie allerdings nicht. Der Bundestag solle stattdessen eine unabhängige Kommission einsetzen und diesen Vorwurf prüfen.
Der Aufhänger dieses Schreibens ist eine angeblich politisch verwirrte Journalistin der Deutschen Welle in China, so der Autorenkreis der Bundesrepublik. Zhang Danhong habe erklärt, dass die Kommunistische Partei Chinas mehr als jede politische Kraft auf der Welt zur Verwirklichung des Artikels 3 der Erklärung der Menschenrechte (Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person) beigetragen habe.
Diese provozierende These habe Zhang aber geäußert, so Volker Bräutigam auf Radio Utopie (05.09.2008) um das sonst oft von deutschen Medien vermittelte China-Zerrbild etwas zu begradigen. Denn zumeist würden nur die negativen Seiten Chinas in den Vordergrund gestellt. Es gebe jedoch auch Fortschritte, sogar bei den Menschenrechten.
Kritisierte Publikation: Deutsche Welle
RJ, 30. September 2008, 13:41 Uhr, 2 Kommentare
Köln gegen rechts - protestieren mit Spaß
Meint der die gleiche Veranstaltung - auf der ich eben noch war? Ich habe eben noch friedlichen Protest und Partystimmung erlebt. Ist die Stimmung so umgeschlagen? Oder konstruiert hier jemand seine subjektiven Vorurteile in Berichterstattung und Bildwelten?
Mayarosasweblog, 20. September 2008
Kritisierte Publikation: Allgemein, [kurz verlinkt]
RJ, 27. September 2008, 12:13 Uhr, Kommentieren
CIA orgelt auf allen Kanälen
Das US-Verteidigungsministerium beschäftigt massenhaft Analysten als schnelle Eingreiftruppe, die ins Rennen geschickt werden, wenn Medien einmal nicht regierungskonform berichten. Sie kommen dann meistens als “unabhängige Experten” zu Wort, berichtet David Barstow in der New York Times (20.04.2008).
Matthias Rüb findet das in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (22.04.2008) nicht sonderlich skandalös. Es sei schließlich nichts Neues, dass Behörden und Unternehmen Medien mit Informationen und Meinungen füttern. Nicht neu sei auch, fügt Mathias Bröckers (20.04.2008) an, dass die Medien immer mal wieder solche “Enthüllungsgeschichten” bringen – um “die Konsensmaschine zu schmieren”, damit “das Medienbordell ‘frei von Sünden’ weiterläuft”.
Meta-Info (22.04.2008) findet allerdings den Umfang und die Breite bemerkenswert, mit denen das Pentagon mit den Medien gearbeitet hat. “Dass die ‘Lufthoheit’ über die öffentliche Meinung im Sinn psychologischer Kriegführung der US-Regierung und besonders dem Pentagon mindestens genausoviel an Einsatz wert war, wie die der amerikanischen Luftwaffe, wird mit der Recherche der New York Times ein weiteres Mal überdeutlich.”
Kritisierte Publikation: Public Relations (allgemein)
RJ, 22. April 2008, 11:58 Uhr, Kommentieren
Verfahren à la Metternich
Von Daniela Dahn
“Rote Zellen” entsorgt. Der Deutschlandfunk stellt unbequeme Literaturredakteure kalt
Unter dem neuen Namen Andruck - das Magazin für politische Literatur strahlt der Deutschlandfunk ab dem 7. April die bisherige Sendung Politische Literatur aus. Nicht nur der Name ändert sich, auch das Format wird angepasst.” Die Presseerklärung des Kölner Senders verheimlicht jedoch die wichtigste “Anpassung”: Den für das vielfach ausgezeichnete politische Feature zuständigen Redakteuren Karin Beindorff und Hermann Theißen, die auch die Politische Literatur über Jahre geprägt und sie zur interessantesten Sachbuchsendung im öffentlich-rechtlichen Hörfunk gemacht haben, wurde die redaktionelle Verantwortung entzogen. Sie sollen auch als Moderatoren nicht mehr zu hören sein.
In ihren - im positiven Sinne - anstößigen Sendungen rezensierten Elisabeth Bronfen, Klaus Theweleit, Volker Ullrich, Norbert Frei, Hans-Martin Lohmann, Klaus Kreimeier, Daniel Cil Brecher, Elmar Altvater, Bernd Greiner, Lothar Baier und viele andere namhafte Vertreter der kritischen Publizistik. Man konnte dort ebenso sachkundige wie provokante Gespräche mit Heiner Müller, Wolfgang Engler, Hans-Ulrich Wehler, Christoph Butterwegge oder Edgar Wolfrum hören. Viele Beiträge wurden von Zeitungen und Zeitschriften nachgedruckt, manche, mitunter sogar ganze Sendungen, finden sich in Büchern wieder.
Kritisierte Publikation: DLF
RJ, 02. April 2008, 16:47 Uhr, Kommentieren
Berichte über Russland voller Stereotype und Klischees
Offener Brief von Michail Gorbatschow
An meine Freunde, die deutschen Journalisten,
seit einigen Jahren habe ich zunehmend Kontakt zu den deutschen Medien, insbesondere im Zusammenhang mit dem Vorsitz im Petersburger Dialog, den ich neben Lothar de Maiziére innehabe. Selbstverständlich galt und gilt mein Interesse zunächst einmal Berichten über das, was in Russland geschieht. Dies ist immer wieder Thema für mich in zahlreichen Interviews, Pressekonferenzen und öffentlichen Veranstaltungen. So zum Bespiel bei der Verleihung des Doktor-Haas-Preises letztes Jahr in Berlin.
Worüber habe ich da gesprochen? Darüber, dass Fragen und Unverständnis entstehen, wenn man sieht, was in Deutschland über Russland geschrieben wird und wie es geschrieben wird. Nicht von ungefähr habe ich das wie hervorgehoben. Denn die Fakten, die Anlass zur Kritik bieten, stammen ja oft aus der Realität oder werden aus russischen Zeitungen übernommen. Übrigens treten russische Zeitungen zuweilen sogar kritischer auf als die ausländischen.
Beim aufmerksamen Blick auf die Flut von Veröffentlichungen in Deutschland wird man jedoch schwer den Eindruck wieder los, als ob man es mit einer gezielten Kampagne zu tun hat, als ob alle aus einer einzigen Quelle schöpften, die eine Handvoll Thesen enthält (in Russland gebe es keine Demokratie; die Meinungsfreiheit werde unterdrückt; eine arglistige Energiepolitik werde durchgesetzt; die Machthaber drifteten immer weiter in Richtung Diktatur ab – und so weiter und so fort.) Diese Thesen werden in verschiedenen Tonarten wiederholt. Die Zeitungsmacher scheinen auch keinerlei Interessen jenseits dieser Aussagen zu haben.
Kritisierte Publikation: Allgemein
RJ, 01. April 2008, 18:29 Uhr, Kommentieren
Zitat falsch übersetzt und ausgeschmückt
Israel müsse von der Landkarte verschwinden, soll der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad 2005 gesagt haben. So steht es etwa im einleitenden Satz des Dossiers zum Thema Antisemitismus der Bundeszentrale für politische Bildung: “Mit seiner Äußerung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, sorgte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Oktober 2005 weltweit für Empörung. Sein offener Hass gegen Israel und die Juden entlädt sich regelmäßig: in Drohungen, Anfeindungen, in einer konsequenten Leugnung und Relativierung des Holocaust.”
Diese Darstellung hält sich hartnäckig, ist aber offenbar falsch. Auf verschiedenen Webseiten war schon 2005 zu lesen, dass Ahmadinedschad etwas anderes gesagt habe. In der Süddeutschen Zeitung (15.03.2008) schreibt nun Katajun Amirpur (Wikipedia), dass dieser viel zitierte Satz so von Ahmadinedschad nicht gefallen sei. Er habe damals schlicht gesagt, dass das israelische Besatzungsregime Geschichte werden müsse. Er habe die Forderung ausgesprochen, die Besatzung Jerusalems zu beenden, so Amirpur.
Kritisierte Publikation: BpB
RJ, 16. March 2008, 22:54 Uhr, 1 Kommentar
Uneingebetteter Ulrich Tilgner
Wir werden ihn vermissen. Ulrich Tilgner hat seinen Vertrag als Leiter des ZDF-Büros in Teheran und Sonderkorrespondent des Zweiten für den Nahen und Mittleren Osten nicht verlängert – um seine journalistische Unabhängigkeit zu wahren. Ab 1. April berichtet der erfahrene wie renommierte Kriegsreporter hauptsächlich für das Schweizer Fernsehen SF. Tilgner sieht die kleine Alpenrepublik als letzte Oase kritischer Berichterstattung.
Im Migros-Magazin erklärte der Nahost-Epxerte, er fühle sich in Deutschland in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt, “gerade auch was die Berichterstattung aus Afghanistan angeht, jetzt, wo dort deutsche Soldaten sterben”. Es gebe Bündnisrücksichten, die sich in der redaktionellen Unabhängigkeit der Sender widerspiegelten. Gleichzeitig werde Politik immer mehr in Nischen verdrängt.
“In der Schweiz hingegen sind Sendungen wie ‘Tagesschau’ oder ‘10vor10′ Institutionen”, so Tilgner. Dort habe er noch keine Eingriffe in seine Arbeit erlebt – was umgekehrt ja heißt, auf dem Lerchenberg in Mainz wird bisweilen sehr wohl interveniert, oder direkter: das Zweite ist beim Verteidigungsministerium und Kanzleramt eingebettet. Da geht’s dann ab mit Minister Jung nach Afghanistan. Statt kritischen Frontberichten hagelt es Features über Aufbauerfolge und Stabilität. Immer exklusiv.
Im Migros-Magazin kritisiert Tilgner die hiesige Berichterstattung über den US-besetzten Irak. Von einer “erfolgreichen Mission” zu sprechen, wie dies – nicht nur amerikanische – Medien immer häufiger täten, sei angesichts von drei Millionen Flüchtlingen und 150.000 Ermordeten ein “unglaublicher Zynismus”. “In Bagdad hat nahezu jede Familie Verwandte verloren. Wenn man da von Erfolg spricht, weiß ich nicht, was dann ein Mißerfolg wäre”, so Tilgner.
Offiziell bedauert ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender den Abgang. (rg)
Quelle: Junge Welt, 31. Januar 2008
Kritisierte Publikation: ZDF
RJ, 31. January 2008, 18:36 Uhr, 2 Kommentare
Lobbystudie unkritisch widergegeben
Auf der Datenautobahn könne es sich bald stauen, wenn das Netz nicht ausgebaut werde, schreibt Matthias Kremp in einem Aufmachertext (via Textdepot, 21.11.2007) auf Spiegel Online (21.11.2007). Zu diesem Ergebnis komme eine aktuelle US-Marktforschungsstudie, die Kremp referiert, ohne sich damit kritisch zu beschäftigen.
Die Untersuchung haben Nemertes, eine Forschungs- und Beratungsfirma, spezialisiert auf die Beurteilung des wirtschaftlichen Werts neuer Technologien, und die Internet Innovation Alliance, die strategischen Rat und Hilfe für internationale Telekommunikations- und Technologieunternehmen geben, erstellt.
Bei diesen Firmen handele es sich um Lobbyorganisationen im Kampf um die Kontrolle im Netz, wie auf Netzpolitik.org (20.11.2007) zu lesen ist. Seit Jahren wird in den USA eine Debatte über Netzneutralität geführt.
Telekommunikationsunternehmen würden im Internet nämlich gern eine Zweiklassengesellschaft einführen. Das hieße, wer zahlt (YouPorn vielleicht), bekommt für die Verbreitung seiner Inhalte im Netz die Autobahn und wer nicht oder wenig zahlt (Blogger zum Beispiel) die langsame, verstopfte Nebenstraße. Bei Spiegel Online ist davon nichts zu lesen.
Der Blogger Robert Basic (20.11.2007) hat auch unkritisch auf diese Studie verwiesen, aber im Gegensatz zu Spiegel Online den Hinweis auf die Lobbyorganisationen nachgereicht.
Kritisierte Publikation: Spiegel Online
RJ, 21. November 2007, 22:33 Uhr, Kommentieren
Systematisch organisierte Nachrichtenmanipulation
Silvio Berlusconi installierte als Ministerpräsident Italiens 2002 eine ihm treue Chefetage in der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt (RAI), schreibt Michael Braun in der taz (22.11.2007). Von La Repubblica (21.11.2007) veröffentlichte Ermittlungsprotokolle der Staatsanwaltschaft Mailand belegen nun, dass es danach ein systematisch organisiertes Nachrichtenmanipulationsnetz zugunsten Berlusconis gab.
Kritisierte Publikation: RAI (Italien)
RJ, 21. November 2007, 17:03 Uhr, Kommentieren
Axel-Springer-Verlag und Bild-Zeitung gegen Deutsche Post und Mindestlöhne
Am 9. Oktober haben in Berlin etwa 400 Menschen gegen Mindest- und für Armutslöhne in Höhe von sechs Euro pro Stunde demonstriert. Initiiert hat die Demo offenbar die Geschäftsleitung des Briefdienstleisters PIN-Group, wie die taz (10.10.2007) berichtet. Die PIN-Group gehört dem Axel-Springer-Verlag, der mit der Einführung des vereinbarten Mindestlohnes der Briefbranche in Höhe von 9,80 Euro nicht einverstanden ist.
Die Bild-Zeitung veröffentlicht seit mehreren Wochen Anzeigen und redaktionelle Artikel, in denen ebenfalls gegen den Mindestlohn angeschrieben wird. Bildblog (09.10.2007) nennt das ein “beeindruckendes publizistisches Trommelfeuer gegen den Mindestlohn im Allgemeinen und bei den Briefzustellern im Besonderen”.
Die Bild-Zeitung gehört bekanntlich auch dem Axel-Springer-Verlag. Aufgrund dieser einseitigen Berichterstattung ist davon auszugehen, dass die Bild-Zeitung nicht unabhängig berichtet, sondern eine Kampagne des Axel-Springer-Verlags unterstützt, wovon der Leser freilich nichts erfährt. Ein Angestellter der PIN-Group und Leser der Bild-Zeitung, der 4,50 Euro brutto verdient und Mindestlöhne für eine gute Sache hält, wundert sich nur, dass er mit seiner Meinung ziemlich alleine dasteht, schildern Daniel Hechler und Timo Grosspietsch in Zapp (10.10.2007).
Die Deutsche Post hat unterdessen bekannt gegeben, dass sie alle ihre Werbeanzeigen in Publikationen des Axel-Springer-Verlages storniert hat, berichtet der Spiegel (14.10.2007).
Kritisierte Publikation: Bild-Zeitung
RJ, 14. October 2007, 12:22 Uhr, 9 Kommentare
Politik kauft Öffentlichkeit
Es ist gängige Praxis, dass staatliche Behörden mit gezielter PR-Arbeit in eigener Sache versuchen, ihr Image zu verbessern und die öffentliche Meinung zu beeinflussen (vgl. Watchblog, 11.05.2006). Gängig sind außerdem Kooperationsgeschäfte zwischen Zeitungen und Werbepartnern. Wer Anzeigen schaltet, über den wird im redaktionellen Teil freundlich berichtet (vgl. Watchblog, 28.06.2007).
Der Kölner Stadt-Anzeiger (10.08.2007) schildert die Versuche einer Werbeagentur des Bundeswirtschaftsministeriums, dessen Botschaften Gehör zu verschaffen. Die Agentur biete deutschen Regionalzeitungen öffentliche politische Veranstaltungen und Redaktionsbesuche durch den Staatssekretär des Ministeriums an und stelle dafür Gegenfinanzierungen durch Anzeigen in Aussicht.
Update (13.08.2007): Im Gegensatz zum Kölner Stadt-Anzeiger hat sich die Märkische Allgemeine (13.07.2007) auf eine Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium eingelassen. Andreas Streim hat dort einen von Lobhudelei strotzenden Artikel ganz im Sinne des Ministeriums und entlang der Vorgaben der PR-Agentur verfasst.
Kritisierte Publikation: Public Relations (allgemein)
RJ, 12. August 2007, 12:51 Uhr, 1 Kommentar
Tagesschau mit Tunnelblick
Nach dem 2004 von Walter van Rossum erschienen Buch “Meine Sonntage mit ‘Sabine Christiansen’. Wie das Palaver uns regiert” erscheint im September bei Kiepenheuer & Witsch sein neues Werk “Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht“.
Einen ersten Vorgeschmack lieferte van Rossum in einem 45-minütigen Feature “Die Tagesshow. Oder die Welt in 15 Minuten” im Deutschlandfunk am 10. Juli 2007 (MP3-Datei, 14,4 MB). Der Chefredakteur Kai Gniffke reagierte darauf ziemlich ungehalten. Er schrieb im Tagesschau-Blog (12.07.2007), dass Walter van Rossum der Tagesschau-Redaktion nachweise, “dass wir imperialistische Kriegstreiber, Büttel des Großkapitals, elende Ami-Schergen und fußballgeile Quotenhuren im chauvinistischen Vollrausch sind. Und überhaupt irgendwie die letzten Penner.”
Mit dieser Interpretation überzieht Kai Gniffke deutlich. Walter van Rossum analysiert die Tagesschau vom 6. Dezember 2006 Beitrag für Beitrag nämlich überaus sachlich. Er spricht nicht von “Kriegstreibern”, “Ami-Schergen”, “Quotenhuren” oder “Pennern”. Rossum stellt u.a. nüchtern fest: “Niemand wird sagen können, die Tagesschau mache sich zum glühenden Propagandisten dieses Irakkrieges. Sie hält sich einfach an den politischen Blickwinkel der parlamentarischen Mitte.”
Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Walter van Rossums Kritik hält Kai Gniffke für nicht erforderlich. Stattdessen scheint er es mit Anne Will zu halten. Was sie macht ist “fein strukturiertes kritisches Arbeiten”, sagt sie. Sie habe sich “überhaupt nichts vorzuwerfen. Ganz im Gegenteil.” Ihnen den Spiegel vorzuhalten, hat glücklicherweise Walter van Rossum übernommen. Er zeigt erschreckend deutlich, wie tunnelblickmäßig die Tagesschau Tag für Tag produziert wird.
Kritisierte Publikation: Tagesschau
RJ, 23. July 2007, 11:48 Uhr, Kommentieren
PR infiltriert Journalismus
In den USA sind mehr als ein Drittel aller lokalen TV-Nachrichten von Unternehmen gekauft und damit nach deren Vorstellungen verfasst, ohne dass der Zuschauer davon in Kenntnis gesetzt wird (Watchblog, 11.04.2006). In zunehmendem Maß ist das auch in Deutschland zu beobachten. Helmut Volpers kommt in der aktuellen Studie “Public Relations und werbliche Erscheinungsformen im Radio” zu dem Ergebnis, dass in “zahlreichen Programmen” des privaten und des öffentlich-rechtlichen Radios “werbliche Erscheinungsformen verdeckt vorhanden” sind (Pressemitteilung, 12.03.2007).
Auch hier gelangen von Unternehmen produzierte Nachrichten und Unterhaltungsbeiträge direkt ins Programm, ohne das der Zuhörer über die Urheberschaft informiert wird. Volpers bezeichnet dies als einen “Infiltrationsprozess” der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen “in den Kernbestand journalistischer Kommunikationsinhalte” (s. Pressemittelung oben).
Einige Journalisten scheint das aber nicht zu stören. Ricky Breitengraser, Programmchef von Jam FM, sagt beispielhaft, dass solche PR-Beiträge von den Unternehmen, wenn sie denn Relevanz hätten, auch so von Journalisten gemacht würden (Frontal 21, PDF-Dokument, 16.07.2007). Warum also nicht gleich die Gehirnwäsche der Unternehmen ausstrahlen und das Geld noch dazu nehmen?
Kritisierte Publikation: Public Relations (allgemein)
RJ, 19. July 2007, 13:16 Uhr, 5 Kommentare
