In den USA sind mehr als ein Drittel aller lokalen TV-Nachrichten von Unternehmen gekauft und damit nach deren Vorstellungen verfasst, ohne dass der Zuschauer davon in Kenntnis gesetzt wird (Watchblog, 11.04.2006). In zunehmendem Maß ist das auch in Deutschland zu beobachten. Helmut Volpers kommt in der aktuellen Studie “Public Relations und werbliche Erscheinungsformen im Radio” zu dem Ergebnis, dass in “zahlreichen Programmen” des privaten und des öffentlich-rechtlichen Radios “werbliche Erscheinungsformen verdeckt vorhanden” sind (Pressemitteilung, 12.03.2007).
Auch hier gelangen von Unternehmen produzierte Nachrichten und Unterhaltungsbeiträge direkt ins Programm, ohne das der Zuhörer über die Urheberschaft informiert wird. Volpers bezeichnet dies als einen “Infiltrationsprozess” der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen “in den Kernbestand journalistischer Kommunikationsinhalte” (s. Pressemittelung oben).
Einige Journalisten scheint das aber nicht zu stören. Ricky Breitengraser, Programmchef von Jam FM, sagt beispielhaft, dass solche PR-Beiträge von den Unternehmen, wenn sie denn Relevanz hätten, auch so von Journalisten gemacht würden (Frontal 21, PDF-Dokument, 16.07.2007). Warum also nicht gleich die Gehirnwäsche der Unternehmen ausstrahlen und das Geld noch dazu nehmen?

ich möchte an dieser Stelle i. A. folgender Text empfehlen
http://www.netzwerkrecherche.de/docs/nr-werkstatt5-kritischer-wirtschaftsjournalismus.pdf
und speziell zwei Artikel von N. Klawitter, (ebenfalls Autor des Artikels: PUBLIC RELATIONS “Saubere Namen für dreckige Zwecke” (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,481658,00.html )
* Public Relations - Meister der Verdrehung (S. 105)
* “Wir unterstützen Journalisten” Interview mit PR-Altmeister Harold Burson (S. 125)
hier eine kleine Kostprobe aus der Feder von C. Nürnberger
Seite 11
Was macht die Qualität …
Defizite des Wirtschaftsjournalismus
Von Christian Nürnberger
Seite 18f
“…Eines Tages hatte sich ein Leser am Telefon über schlechte Behandlung im Kaufhof beklagt, zufällig zu einem Zeitpunkt, zu dem ich selbst gerade vom Kaufhof schlecht behandelt worden war. Man wünscht sich ja, wenn man in einem Laden schlecht behandelt wird, ein paar Millionen auf dem Konto, damit man diesen Laden kaufen und den Chef feuern kann. Die Millionen hatte ich nicht, wohl aber einen Job bei der Zeitung und nun einen Anlass, den Laden mit 60 Zeilen zu vernichten.
Leider wurde die Vernichtung nie gedruckt.
Horst Wolf, einer der damaligen leitenden Redakteure der Zeitung kam zu mir und redete mir die schönsten Pointen, die geschliffensten Formulierungen und die gehässigsten Bemerkungen aus. Anfangs wollte ich widersprechen, wir diskutierten eine Weile, aber dann beendete er die Diskussion mit einem Satz, den ich nie mehr verga?, und das war nun der eigentliche, der wahre Praxisschock. Der Satz lautete: ‘Die Pressefreiheit endet da, wo der Selbstmord beginnt.’…”
Seite 24f
“…Karriere macht daher im Verlag oder im Sender der Redakteur, der für das werbefreundlichste Umfeld sorgt. Der Journalismus degeneriert zur Werbeumfeld- Gestaltung. Rückblickend lässt sich heute, glaube ich, sagen: Die special interest Zeitschrift war das trojanische Pferd, durch das das Gift des Marktes in die Verlage und Redaktionen eingesickert ist, heute in jeder Pore sitzt und dafür sorgt, dass nur noch gedruckt und gesendet wird, was sich rechnet. So erwuchs ein neuer Zensor namens Markt aus dem Zwang zu wachsen.
Dieser Zensor aus dem Geist des Kapitalismus ist viel geschickter und viel subtiler als die Zensoren in den Diktaturen gewesen sind. Dieser Zensor verbietet nichts, steckt niemanden ins Gefängnis, foltert nicht, droht kaum, dieser Zensor etabliert nur neue, harmlos klingende Kriterien für die Presse. Diese Kriterien werden noch nicht einmal öffentlich oder heimlich ausgesprochen oder gar schriftlich fixiert. Sie werden einfach nur angewendet. Der Zensor belohnt diejenigen mit Geld, sprich Werbung, die sich seinen Kriterien fügen. Wer sich nicht fügt, wird nicht etwa bestraft, sondern kriegt halt nur kein Geld. Das hat im Lauf der Jahre dazu geführt, dass immer größere Teile des Werbekuchens in den der Werbung genehmen Sendern, Verlagen und Redaktionen gelandet sind…”
Danke für den ausgezeichneten Kommentar von Chapu.
Nach dem ich das Buch Schwarzbuch Scienthology gelesen habe, und nun weiß, dass bekannte Schauspieler ( indem sie sich z.B. mit SO- Anhängern zusammen photographieren lassen) so ungewollt oder gewollt dafür sorgen, dass diese Organisation noch mehr bekannt wird und vielleicht noch mehr Einfluss bekommt, habe ich den Eindruck, dass diese Masche durchaus auch in vielen Teilen der Medien und des Journalismus funktioniert.
Andenteils bemängele ich auch die Unentschlossenheit vieler Zeitgenossen, sich dieser Medien zu enthalten. Das Recht der
Selbstverweigerung habe ich noch.
@ H. Müller
Danke ; )
Ich bin im Übrigen mit Herrn C. Nürnberger nicht ganz einer Meinung. Er sieht den Anfang dieser Katastrophe mit dem Auftauchen der “special interest” Zeitschriften. Diese Sache ist aber seit dem Auftauchen der Werbung im Gange. Eine Zeitung die zu 75% von den Werbeeinnahmen abhängig ist, kann sich nicht frei nennen. Schauen Sie nur wieviel Fläche Text und Werbung in einer Zeitung einnehmen. Der Kriegsfotograph J. Nachtwey sagt im “War photographer” z. B., dass er zunehmend Schwierigkeiten hat seine Photos in Zeitschriften unterzubringen, weil Werbekunden Photos von Hunger, Krieg und Not nicht neben ihre Anzeigen sehen möchten, das verderbe ja die “Kauflust”.
Die Medien sind Konzerne oder Teile von Großkonzerne und die haben eine einzige Aufgabe: Geld machen, koste es was es wolle. Und die sind nicht ihren Lesern verpflichtet, sondern ihren Aktionären, sie wollen nicht informieren. Wenn sie etwas berichten, was den Geldgebern missfällt, kriegt der Chefredakteuer ziemlich schnell einen Anruf. Journalisten, die sich für “die falschen Geschichten” interessieren machen halt keine Karriere.
hier noch zwei Texte:
http://zmag.de/artikel/Warum-die-Mainstreammedien-Mainstream-sind
http://zmag.de/artikel/Die-weltliche-Priesterschaft-und-die-Gefahren-der-Demokratie
Werbung ist sehr mächtig, die Konzerne geben nicht umsonst so viel Geld dafür aus. Die Pharmaindustrie gibt z. B. für Marketing das doppelte aus als sie für Forschung ausgibt (und tut sogar noch die klinischen Studien manipulieren).
hier noch ‘nen Artikel zum Thema
AIDS UND SEIN MARKTPREIS
Wenn die Kassen zweimal klingeln, 15.2.2002
Philippe Demenet
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2002/02/15.mondeText.artikel,a0001.idx,1
lasst doch endlich mal den ricky in ruhe. seine aussagen wurden aus dem zusammenhang gerissen. und auch andere aussagen des oben verlinkten beitrags. die methoden von frontal21 sind alles andere als lupenrein so verschweigen sie z.b. das auch das zdf firmen beauftragt mit zweifelhaften pr audiobeiträgen für zdf sendungen.
bitte mal lesen und schauen:
http://rickybreitengraser.de/rickybreitengraser.de/geBLOGt/Einträge/2007/10/23_Frontal_21_-_GEGENDARSTELLUNG_!!!!.html
zum guten journalismus gehört doch immer die anhörung beider seiten, oder liege ich da falsch?!
Die “Gegendarstellung” von Ricky überzeugt mich nicht.