Tagesschau mit Tunnelblick

Nach dem 2004 von Walter van Rossum erschienen Buch “Meine Sonntage mit ‘Sabine Christiansen’. Wie das Palaver uns regiert” erscheint im September bei Kiepenheuer & Witsch sein neues Werk “Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht“.

Einen ersten Vorgeschmack lieferte van Rossum in einem 45-minütigen Feature “Die Tagesshow. Oder die Welt in 15 Minuten” im Deutschlandfunk am 10. Juli 2007 (MP3-Datei, 14,4 MB). Der Chefredakteur Kai Gniffke reagierte darauf ziemlich ungehalten. Er schrieb im Tagesschau-Blog (12.07.2007), dass Walter van Rossum der Tagesschau-Redaktion nachweise, “dass wir imperialistische Kriegstreiber, Büttel des Großkapitals, elende Ami-Schergen und fußballgeile Quotenhuren im chauvinistischen Vollrausch sind. Und überhaupt irgendwie die letzten Penner.”

Mit dieser Interpretation überzieht Kai Gniffke deutlich. Walter van Rossum analysiert die Tagesschau vom 6. Dezember 2006 Beitrag für Beitrag nämlich überaus sachlich. Er spricht nicht von “Kriegstreibern”, “Ami-Schergen”, “Quotenhuren” oder “Pennern”. Rossum stellt u.a. nüchtern fest: “Niemand wird sagen können, die Tagesschau mache sich zum glühenden Propagandisten dieses Irakkrieges. Sie hält sich einfach an den politischen Blickwinkel der parlamentarischen Mitte.”

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Walter van Rossums Kritik hält Kai Gniffke für nicht erforderlich. Stattdessen scheint er es mit Anne Will zu halten. Was sie macht ist “fein strukturiertes kritisches Arbeiten”, sagt sie. Sie habe sich “überhaupt nichts vorzuwerfen. Ganz im Gegenteil.” Ihnen den Spiegel vorzuhalten, hat glücklicherweise Walter van Rossum übernommen. Er zeigt erschreckend deutlich, wie tunnelblickmäßig die Tagesschau Tag für Tag produziert wird.

Kritisierte Publikation: Tagesschau
RJ, 23. July 2007, 11:48 Uhr,



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