Am 9. Oktober haben in Berlin etwa 400 Menschen gegen Mindest- und für Armutslöhne in Höhe von sechs Euro pro Stunde demonstriert. Initiiert hat die Demo offenbar die Geschäftsleitung des Briefdienstleisters PIN-Group, wie die taz (10.10.2007) berichtet. Die PIN-Group gehört dem Axel-Springer-Verlag, der mit der Einführung des vereinbarten Mindestlohnes der Briefbranche in Höhe von 9,80 Euro nicht einverstanden ist.
Die Bild-Zeitung veröffentlicht seit mehreren Wochen Anzeigen und redaktionelle Artikel, in denen ebenfalls gegen den Mindestlohn angeschrieben wird. Bildblog (09.10.2007) nennt das ein “beeindruckendes publizistisches Trommelfeuer gegen den Mindestlohn im Allgemeinen und bei den Briefzustellern im Besonderen”.
Die Bild-Zeitung gehört bekanntlich auch dem Axel-Springer-Verlag. Aufgrund dieser einseitigen Berichterstattung ist davon auszugehen, dass die Bild-Zeitung nicht unabhängig berichtet, sondern eine Kampagne des Axel-Springer-Verlags unterstützt, wovon der Leser freilich nichts erfährt. Ein Angestellter der PIN-Group und Leser der Bild-Zeitung, der 4,50 Euro brutto verdient und Mindestlöhne für eine gute Sache hält, wundert sich nur, dass er mit seiner Meinung ziemlich alleine dasteht, schildern Daniel Hechler und Timo Grosspietsch in Zapp (10.10.2007).
Die Deutsche Post hat unterdessen bekannt gegeben, dass sie alle ihre Werbeanzeigen in Publikationen des Axel-Springer-Verlages storniert hat, berichtet der Spiegel (14.10.2007).

[...] Nachdem einige Zeitungsverleger wie Axel Springer mit großen Inseraten Stimmung gegen die Deutsche Post gemacht haben, zieht die Deutsche Post bei diesen Verlagen ihre Werbung zurück. Und nun verhandelt die Post mit Burda und der FAZ wegen ihrer geplanten Gratiszeitung. Verkehrte Welt… [...]
Bei so vielen Interessenkonflikten kann man verstehen, dass die Politik manchmal etwas zögerlich in ihrer Entscheidungsfindung ist. Wie soll man auch komplexe Sachverhalte für ein breites Publikum aufbereiten?
Wer hätte gedacht, dass eine Anzeige in der Bild Zeitung mehr oder weniger direkt mit dem Lohn der Mitarbeiter der PIN AG zusammenhängt?
Armer Springer Verlag? Arme Deutsche Post? Ich denke, da hackt keine Krähe der anderen ein Auge aus…
Wär nur schön, wenn es für die Briefzusteller gut ausgeht!
Die Post - Millionen Optionen und der liebe Mindestlohn…
Derzeit überschlagen sich ja die Meldungen zum Mindestlohn im Postsektor und den möglichen Konsequenzen daraus Schauen wir uns doch einmal die Argumentation beider Seiten an und gehen auch auf die heiklen Fragen der “Motivation” für diese Argu…
Wer ist in der Debatte um Mindestlöhne schon neutral? Die Gewerkschaften vielleicht? Oder die Deutsche Post? Oder DIE LINKE oder die SPD? Eine halbwegs sachliche inhaltliche Debatte über Sinn und Zweck sowie Risiken und Nebenwirkungen findet doch sowieso nicht statt - da macht es auch kaum einen Unterschied, wenn BILD einseitig berichtet. Traurig, aber wohl nicht zu ändern.
@mindestlohn
Der Unterschied zwischen der Bild-Zeitung und Parteien besteht doch darin, dass die Bild ihre Parteinahme verschleiert. Letztere können das schon wegen ihres Namens nicht.
Wo sind denn in Deinem Blog die guten Argumente gegen den Mindestlohn? Auf die Schnelle konnte ich nichts finden.
@RJ:
In einem Punkt geb ich Dir zunächst einmal absolut Recht: Der Zusammenhang zwischen der Berichterstattung der BILD zu diesem Thema und der Springer-Beteiligung bei PIN ist zwar kein Geheimnis, wird aber vom durchschnittlichen BILD-Leser eher nicht bedacht.
Zu den Parteien: Ist deren Interessenlage wirklich so eindeutig? Ganz zynisch betrachtet, könnte man sagen, dass das Interesse, gewählt zu werden, im Vordergrund steht. Und deswegen die Parteien das vertreten, was gerade am ehesten mehrheitsfähig ist - VÖLLIG unabhängig davon, ob es sinnvoll, gut oder richtig ist.
Zu den Argumenten gegen einen Mindestlohn empfehle ich beispielsweise http://www.mindestlohn-blog.de/wirtschaftsexperten-warnen-vor-fatalen-folgen-des-mindestlohns/ oder http://www.mindestlohn-blog.de/sachverstaendigenrat/ respektive die (teilweise etwas länglichen) Quellen.
WENN irgendjemand auch nur ansatzweise kompetent und neutral bei diesem Thema ist, dann sind es die Wirtschaftswissenschaftler.
@ mindestlohn - gute links, danke
Meine Bekannte ist Friseurin und verdient fast 600 Euro für täglich 8 Stunden Arbeit. Früher konnte man mit dem Trinkgeld noch halbwegs über die Runden kommen, aber die Kunden geben mittlerweile nicht mehr so viel. Sie hat ausgerechnet das sie ganuso viel als Hartz IV bekommt als wenn sie arbeitet.
Meine Damen und Herren,
cih finde es sollte mal etwas wirklich positives auf die erste Seite als Kolumne bei der Bildzeitung. Denn es ist viel wichtiger eine Katastrophe nach der nächsten zu melden, die sicherlich da ist, aber auf der anderen Seite was kann es bedeuten, was sollen wir daraus erkennen. In allem steckt ein tiefer Sinn und in jedem Problem gibt es etwas gutes.
Wie wäre es hiermit?
Bin jederzeit dazu bereit, etwas bezüglich der aktuellen Lage eine Erkenntnis daraus dar zu stellen.
Freu mich auf Ihre Antwort
Hedwig Bonensteffen