Strukturproblem Meinungsfreiheit

Die Deutsche Welle habe ein manifestes Strukturproblem, das sich in einer ideologisch penetranten, KP-nahen China-Berichterstattung des Senders äußere, beklagen Mario Vargas Llosa, Imre Kertesz, Edgar Hilsenrath und weitere Unterzeichner des Autorenkreises der Bundesrepublik (Homepage) in einem offenen Brief an den Bundestag (Perlentaucher, 23.09.2008) Diese Behauptung belegen sie allerdings nicht. Der Bundestag solle stattdessen eine unabhängige Kommission einsetzen und diesen Vorwurf prüfen.

Der Aufhänger dieses Schreibens ist eine angeblich politisch verwirrte Journalistin der Deutschen Welle in China, so der Autorenkreis der Bundesrepublik. Zhang Danhong habe erklärt, dass die Kommunistische Partei Chinas mehr als jede politische Kraft auf der Welt zur Verwirklichung des Artikels 3 der Erklärung der Menschenrechte (Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person) beigetragen habe.

Diese provozierende These habe Zhang aber geäußert, so Volker Bräutigam auf Radio Utopie (05.09.2008) um das sonst oft von deutschen Medien vermittelte China-Zerrbild etwas zu begradigen. Denn zumeist würden nur die negativen Seiten Chinas in den Vordergrund gestellt. Es gebe jedoch auch Fortschritte, sogar bei den Menschenrechten.

Zhang Danhong: „Ich streite überhaupt nicht ab, dass in China die Menschenrechte verletzt werden. Mein Kritikpunkt ist, dass nur über negative Dinge berichtet wird. Auf Fortschritte wird nicht geguckt. Bei so einem riesigen Land wie China mit dieser komplizierten Entwicklung wünschte ich mir mehr fundierte Hintergrundberichte“.

Diese Sichtweise müsse man nicht teilen, schreibt Bräutigam, aber sie sei zu respektieren, selbst wenn sie einem nicht schmecke. Die Deutsche Welle hat dessen ungeachtet ihre Journalistin Zhang Danhong suspendiert. Ihr „die eigene, fundierte Meinung zum Vorwurf zu machen, weil sie nicht in unsere Schablonen passt, spottet allen unseren Vorstellungen vom Recht auf Meinungsfreiheit“, meint dazu Volker Bräutigam.

Update (13.10.2008): 65 Chinawissenschaftler, Publizisten und Politiker protestieren gegen die Forderung, die China-Berichterstattung der Deutschen Welle unter Aufsicht zu stellen: „Das angestrebte Ziel ist offenkundig die Unterbindung jeder um Differenzierung bemühten öffentlichen Kommunikation über die Entwicklung Chinas in Journalismus und Wissenschaft und die Verpflichtung aller öffentlichen Akteure dieses Bereichs auf eine pauschale negative Berichterstattung über China“ (Perlentaucher, 13.10.2008).

Kritisierte Publikation: Deutsche Welle
RJ, 30. September 2008, 13:41 Uhr, 2 Kommentare



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Bisher 2 Kommentare
  1. Von blogsgesang, 06. Oktober 2008, 16:08 Uhr

    Man kann noch weiter gehen: Die Kampagne gegen Frau Zhang ähnelt zwar nicht in Ausmaß und Folgen, jedoch durchaus im Vertständnis von Medienfreiheit dem, was man sonst an China zu Recht kritisiert. Mehr:

    http://www.blogsgesang.de/2008/08/21/ist-nur-die-richtige-meinung-richtig-frei/

  2. Von RJ, 21. Oktober 2008, 12:12 Uhr

    Sven Hansen fasst die Angelegenheit in der taz (21.10.2008) zusammen.

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